Media

Bei Sanierungen im Zusammenhang mit Pensionsverpflichtungen gilt: im Ernstfall zuerst die Blutung stillen, dann die Wunde heilen

Bei finanziellen Schieflagen sollte man zuerst die Überschuldung senken und die Liquidität erhöhen. Hierfür bieten die Rückstellungen für Pensionszusagen an Mitarbeiter ein ungeahntes Potenzial. Allein die Umstellung von laufenden Rentenzahlungen auf einmalige Kapitalzahlungen begeistert Mitarbeiter und Wirtschaftsprüfer gleichermaßen. Wie man im Detail aus Pensionsrückstellungen dringend benötigte Liquidität schöpft, erörtert unser Partner Dr. Martin Bürmann gemeinsam mit Sascha Richter.

Pensionsrückstellungen als Sanierungshebel: Liquidität schöpfen, ohne Produkte zu kaufen

Inhaltsbeschreibung zu einer Folge des Podcasts "REstart – Legal Insights zur Sanierung von Unternehmen" (Folge 080) mit Dr. Martin Bürmann (Rittershaus) und Sascha Richter (Richter Pension Consulting GmbH).

Worum geht es?

In Sanierungs- und Restrukturierungssituationen gilt der Grundsatz: zuerst die Blutung stillen, dann die Wunde heilen. Übersetzt heißt das: Überschuldung schnell reduzieren und Liquidität sichern. Ein oft übersehener Hebel sind dabei die Pensionsrückstellungen für die Belegschaft. Sie bieten – richtig angefasst – ein erhebliches Sanierungspotenzial, das ohne neue Versicherungsprodukte, ohne Liquiditätseinsatz und in Teilen sogar ohne Zustimmung der Mitarbeiter aktiviert werden kann.

Die drei zentralen Stellschrauben

1. Aussetzen der Rentendynamik. Eine Rentensteigerung von einem Prozent erhöht die zugehörige Rückstellung um rund 10 bis 15 Prozent – je nach Alter des Berechtigten. Werden Anpassungen in der Krise ausgesetzt (in Abstimmung mit dem Wirtschaftsprüfer), schmilzt die Bilanzposition deutlich, ohne dass die laufende Liquidität sofort betroffen ist.

2. "Technische Rentner" identifizieren. In nahezu jedem größeren Bestand gibt es Versorgungsberechtigte, die ihren Anspruch nie geltend gemacht haben – verzogen, unauffindbar, verstorben. Diese "Karteileichen" werden in den Büchern geführt, ohne dass jemals eine Zahlung fließt. Unter bestimmten Voraussetzungen können sie ausgebucht werden.

3. Kapitalwahlrecht statt lebenslanger Rente. Über ein nachträglich eingeführtes Kapitalwahlrecht können Mitarbeiter sich zum Renteneintritt für eine einmalige Kapitalzahlung statt einer monatlichen Rente entscheiden. Bei vielen kleineren Renten (50–250 €) ist die Akzeptanz hoch – die Beschäftigten profitieren von der Flexibilität, das Unternehmen entlastet seine Bilanz und spart laufende Verwaltungs-, Gutachten- und PSV-Kosten.

Ein Praxisbeispiel

In einem konkreten Mandat lagen die Pensionsrückstellungen für rund 700 Mitarbeiter bei knapp 21 Mio. €. Allein das Aussetzen der zweiprozentigen Rentenanpassung senkte die Verpflichtung um über 5 Mio. €. Die anschließende Umstellung auf Kapitalzahlungen reduzierte die Rückstellungen weiter – am Ende auf etwa drei Viertel des Ausgangswerts, mit klar prognostizierbaren Zahlungsströmen statt unkalkulierbarer lebenslanger Verpflichtungen.

Wichtig dabei

Es werden keine Leistungen gekürzt, sondern Auszahlungsformen und Anpassungsmechanismen verändert. Das sichert Akzeptanz bei Belegschaft und Betriebsrat – und macht den Hebel zu einem echten Sanierungsbaustein. Vermittelt wird hierbei kein Produkt, keine Rückdeckungsversicherung, sondern reine Beratungsleistung.

Fazit

Pensionsrückstellungen sind in der Sanierung oft der unterschätzte Hebel. Wer ihre Mechanik versteht, kann ohne neue Liquidität und ohne Produktverkauf erhebliche bilanzielle Entlastungen schaffen – und dem Unternehmen damit Luft für die eigentliche Sanierung verschaffen.

Zur Originalfolge: REstart Folge 080 – Liquidität: im Ernstfall zuerst die Blutung stillen, dann die Wunde heilen