
21 Millionen Pensionslast, ein Investor auf dem Absprung und 300 Arbeitsplätze in Gefahr
Ein Unternehmen der Elektroindustrie mit rund 300 Mitarbeitern und 50 Millionen Euro Bilanzsumme war überschuldet, ausgelöst durch Pensionsverpflichtungen von 21 Millionen Euro. Der ausländische Gesellschafter trieb die Insolvenz voran. In mehreren Schritten sank die Rückstellung auf 14 Millionen Euro, die Überschuldung war beseitigt und aus dem Insolvenzkandidaten wurde ein verkaufsfähiges Unternehmen. Der Großteil der Wirkung entstand ohne Liquiditätsabfluss.
Als dieser Fall auf uns zukam, war er hochakut. Ohne Eingreifen wäre das Unternehmen in die Insolvenz gegangen, 300 Arbeitsplätze am Standort wären verloren gewesen.
Vermittelt hat den Fall ein Sanierungsberater, mit dem wir gemeinsam im Fachverband Sanierung des BDU tätig sind. Es ging um ein Unternehmen aus der Elektroindustrie mit rund 300 Mitarbeitern und einer Bilanzsumme von etwa 50 Millionen Euro.
Das Problem steckte in der Bilanz
Pensionsverpflichtungen in Höhe von 21 Millionen Euro, die in den vergangenen Jahren stetig gestiegen waren und weiter steigen würden. Das Versorgungswerk umfasste insgesamt rund 750 Berechtigte: etwa 100 aktive Mitarbeiter, rund 180 bereits ausgeschiedene Anwärter und rund 470 laufende Rentner, die zusammen bereits etwa 750.000 Euro Rentenzahlungen pro Jahr bezogen. Die 280 Anwärter, also die aktiven und die ausgeschiedenen Mitarbeiter, wären in den Folgejahren nach und nach hinzugekommen.
Das Unternehmen war überschuldet. Der alleinige Gesellschafter, ein ausländischer Investor, sah keine Zukunft mehr, wollte aus dem Engagement heraus und trieb die Insolvenz voran. Unsere Aufgabe war klar umrissen: die Pensionsrückstellung senken, sehr schnell und ohne Liquidität, um die hohe Überschuldung zu beseitigen.
Unser Vorgehen
Wir haben in mehreren Schritten gearbeitet. Zunächst ergriffen wir Ende 2024 bilanzielle Sofortmaßnahmen: Wir nahmen die Rentendynamik für die Rentenempfänger heraus und bereinigten die sogenannten technischen Rentner, also Berechtigte, die einen Anspruch haben, ihn aber nicht geltend machen und in der Bilanz dennoch mitgeführt werden. Diese Maßnahmen waren mit dem Wirtschaftsprüfer abzustimmen, ließen sich aber schnell umsetzen und reduzierten die Rückstellung bereits im ersten Schritt erheblich.
Im zweiten Schritt führten wir 2025 Gespräche mit allen aktiven Mitarbeitern, dem Betriebsrat und den unverfallbar Ausgeschiedenen und stellten die Versorgung von einer lebenslangen Rentenzahlung auf eine Kapitalzahlung um. Das macht die Verpflichtung zum einen kalkulierbar und senkt zum anderen die Rückstellung erneut massiv.
Als letzte Maßnahme fanden wir in einem gewissen Umfang Kleinstrentner ab. Dafür war echte Liquidität nötig, weshalb wir diesen Schritt eng mit dem Gesellschafter abgestimmt haben.
Das Ergebnis
Die Pensionsrückstellungen sanken von 21 auf 14 Millionen Euro. Damit war die Überschuldung beseitigt. Und mehr noch: Das Unternehmen wurde wieder so attraktiv, dass der Gesellschafter statt über eine Insolvenz mit Investoren über den Verkauf des Unternehmens sprechen konnte. Der entscheidende Punkt dabei: Der Großteil dieser Wirkung entstand ohne Liquiditätsabfluss.
Was diesen Fall besonders machte
Zum einen der Investor. Als ausländischer Gesellschafter hatte er kaum Bezug zum deutschen Pensionssystem. Ihm die Besonderheiten deutscher Pensionszusagen zu vermitteln, noch dazu auf Englisch und mit deutschen Fachbegriffen, war anspruchsvoll.
Zum anderen die schiere Größe der Wirkung. Dass sich Pensionsrückstellungen in diesem Umfang senken lassen, ohne Liquidität einzusetzen, ist selbst vielen erfahrenen Sanierungsberatern nicht bewusst. Genau darin liegt ein Hebel, der in sehr vielen Unternehmen in Krisensituationen genutzt werden könnte, aber kaum bekannt ist.
Ohne dieses Eingreifen wäre das Unternehmen in die Insolvenz gegangen, und 300 Arbeitsplätze am Standort wären verloren gegangen.
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